Neonazi-Anwalt will Veranstaltung in Reutlingen durchführen

Am Donnerstag den 21.2. sollte in der Gaststätte Südbahnhof eine Veranstaltung zum Thema Erbrecht stattfinden. An und für sich eher langweilig, in diesem Fall jedoch stand hinter der Veranstaltung die Kanzlei Steffen Hammer mit Sitz in Gönningen.
Steffen Hammer ist nicht nur Anwalt mit Spezialgebiet Scheidungsrecht, sondern auch Sänger und Frontmann der rechtsextremen Rockband “Noie Werte”. Diese wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft und war unter anderem auf der “Schulhof” CD der NPD vertreten.
Für uns war klar, dass diese Veranstaltung nicht unkommentiert ablaufen kann. Da hilft es auch nix, wenn der neue Kollege der Kanzlei Hammer, Markus Braun, für die Veranstaltung verantwortlich zeichnet.
Im Folgenden ist ein offener Brief des BgR dokumentiert:

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Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Südbahnhof BetreiberInnen,
Sehr geehrte MORITZ-Redaktion,
Sehr geehrte MitarbeiterInnen der Presse,

In der uns vorliegenden Ausgabe (Februar 2008) des Magazins “MORITZ”, im Teil “Journal > Kurz & Knapp” auf Seite 7 befindet sich ein Artikel “Neues Unterhaltsrecht” mit einem direkten Verweis zur Kanzlei Hammer. Direkt im Anschluss ist eine Annonce der Anwaltskanzlei Steffen Hammer abgedruckt. Desweiteren wird unter der Rubrik “Service > Terminkalender” auf Seite 21 für den 21. Februar ein Vortrag in der Gaststätte Südbahnhof (Pfullingen) von Markus Braun beworben. Markus Braun ist ebenfalls für die Kanzlei Hammer tätig.[1]

Wie Ihnen eventuell bekannt ist, ist Steffen Hammer nicht nur als Rechtsanwalt tätig, sondern auch als Sänger und Frontmann der extrem rechten beziehungsweise neonazistischen Rockband “Noie Werte”[2,3] .
Er tritt auch Solo als so genannter “nationaler Liedermacher” auf [3]. Aus den engen Verbindungen über die “Kreuzritter für Deutschland”[4] zu dem rechtsextremen Musiknetzwerk “blood & honour”[5] entstand auch das Label “German British Friendship Records”[6] . Dieses von Steffen Hammer geführte Label veröffentlicht Tonträger von weiteren rechtsextremen Bands.
Auch wurden bereits mehrere neonazistische Straftäter, unter anderem jugendliche Schläger[7], NPD-Funktionäre und Kameradschafts-Neonazis[8] von ihm verteidigt.

Das vermehrte offensive Auftreten und öffentliche Engagement Hammers deutet auf den Trend Rechtsextremer hin, in der Gesellschaft zu verharmlosen und zu etablieren. Ein Vorgehen, das auch bei NPD und der rechtsgerichteten Modemarke „Thor Steinar“ zu beobachten ist. Damit soll rechtsextremes Gedankengut salonfähig gemacht werden.
Gleichzeit unterstützen Werbung und öffentliche Veranstaltungen die finanzielle Unabhängigkeit Hammers. Dies wiederum eröffnet ihm die Möglichkeit, seine rechtsradikalen Strukturen und Aktivitäten finanziell zu ermöglichen und zu fördern.

Rechtsextremen Weltbildern, egal durch welche Person und auf welche Weise diese vertreten werden, darf keine Plattform geboten werden!

Mit freundlichen Grüßen

Kai Pfälzer, Pressesprecher des BündnisGegenRechts

Quellen: Stand Samstag 16. Februar 2008 17:20
(1) http://www.kanzleihammer.de/rechtsanwaelte/die_rechtsanwaelte.php
(2)(http://www.verfassungsschutz-bw.de/rechts/rechts_skins_komm.html unter Liste rechtsextremistischer Skinheadbands”
(3)http://de.wikipedia.org/wiki/Noie_Werte)
(4)http://www.turnitdown.de/794.html
(5)http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/b/blood-honour/
(6)http://www.turnitdown.de/labels.html?&cHash=a8c1bcc707&tx_list_pi1%5BshowUid%5D=20
(7)http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=6191
(8)http://www.stern.de/politik/deutschland/index.html?id=540311&nv=rss

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Trotz aufklärung über die Person Hammers und seine Intentionen war die Gaststätte Südbahnhof nicht bereit, die Veranstaltung abzusagen. Nach Aussage des Inhabers könnten wir ja schließlich nicht “500 Euro Umsatz vorbeibringen”. So geschah es, dass zum Angekündigten Zeitpunkt der Veranstaltung mehrere AntifaschtInnen die Gaststätte aufsuchten, um der Veranstaltung beizuwohnen. Am Ort des Geschehens angekommen mussten diese feststellen, dass die Veranstaltung wegen Krankheit ausfiele und ein neuer Termin der Tagespresse entnommen werden könne. Vielleicht war auch unsere Öffentlichkeitsarbeit mit ein Faktor.
Zumindest wurde der Protest wahrgenommen, Kriminalpolizei in Zivil war ebenfalls vor Ort um die AntifaschistInnen zu belästigen.

Wie im Brief erwähnt scheint es zur Zeit Hammers Methode zu sein, öffentlich zu Werben und Aufzutreten. Er sponsort ausserdem nach eigenen Angaben die Fußballmannschaften Damen des SKV Eningen und Herren des SV Gniebel. Desweiteren Spendet er angeblich regelmäßig für gemeinnützige Einrichtungen und Kinderheime. Wir sind jedoch nicht der Meinung, dass diese Tätigkeiten seine menschenverachtende Weltanschauung in irgendeiner Art und Weise relativiert.

Rechte Personen und Strukturen aufdecken!